… und wie ein Virus uns den Ruhm stiehlt.

Kein Thema bestimmte das Leben eines jeden Einzelnen in den letzten Monaten so sehr wie das Thema „Gesundheit“. Zweifelsohne schon zuvor ein wichtiger Aspekt, ist die persönliche Gesundheit durch COVID-19 nun endgültig für jeden ein zentraler Bestandteil des alltäglichen Bewusstseins geworden. Längst ist der vor gut 100 Jahren von Henry Wood geprägte Begriff des „New Normal“ in aller Munde und beschreibt die Veränderungen, die uns durch die aktuelle Pandemie in unserem Leben und dabei natürlich insbesondere auch im Umgang mit unserer Gesundheit bevorstehen.

Dabei gerät jedoch aus dem Blick, dass schon vor „Corona“ eine Art Revolution im Bereich „Gesundheit“ begonnen hat. Diese wurde nicht diktiert durch einen winzigen Krankheitserreger, der unser Leben bedroht, sondern entstand heraus aus einem gesellschaftlichen Wandel, gestützt durch die enormen technologischen Fortschritte im neuen Jahrtausend.

Schreiben sich moderne Gesellschaften doch auf die Fahne, für immer mehr Gleichheit zwischen den Menschen zu sorgen, so ist es tatsächlich gerade die Individualität des Einzelnen, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Es ist die mündige Selbstgestaltung unseres Lebens, die wir alle anstreben, und dazu gehört Emanzipation – auch im Bereich Gesundheit. Für den „emanzipierten Patienten“ bedeutet dies Unabhängigkeit von Versicherungen und Ärzten, Flexibilität in Zeit und Raum, sowie die Verfügbarkeit der richtigen Werkzeuge und individuellen Lösungen zum Selbstmanagement. Die Technologie bietet dafür die nötigen Bausteine, indem sie auf der einen Seite die notwendigen Informationen sammelt und verarbeitet, auf der anderen Seite Wege bereitet, die individuellen Ziele zu erreichen.

Ein Teil dieser „New Health“ ist das „New DIY – Diagnose It Yourself“, das wir bereits im Januar in einem eigens gewidmeten Beitrag vorgestellt haben. Die „Neue Gesundheit“ geht jedoch über die Selbstdurchführung einfacher Tests hinaus.

  • So fokussieren sich beispielsweise Femtech-StartUps endlich auf die individuellen Bedürfnisse von Frauen, indem sie diesen beispielsweise App-gestützte Tools zum einfacheren und umfassenden Management von Verhütung und Schwangerschaft an die Hand geben.
  • Ältere Menschen, deren Anteil in der Bevölkerung innerhalb der nächsten Jahre und Jahrzehnte stetig steigen wird, werden durch vollautomatisch abgepackte Pillenrationen, seniorenfreundliche Verpackungen und Hardware zur Erinnerung an die Medikamenteneinnahme in der Betreuung ihrer eigenen Gesundheit unterstützt.
  • Sogar stationäre Roboter kommen dabei schon zum Einsatz und versorgen einen nicht nur mit den richtigen Medikamenten zur richtigen Zeit, sondern bieten auch Audio- und Video-Kommunikationskanäle zu Fachleuten sowie Familie und geben nebenbei noch Auskunft über das Wetter.
  • Technologien wie RFID, NFC oder QR zusammen mit App und Smartphone bieten das Potential, Schnittstelle zu Pharmazie und Praxis, umfassender Informationslieferant sowie persönlicher Assistent in einem zu sein.
  • Auch der „Free from“-Trend, also der von immer mehr Menschen gelebte bewusste Verzicht auf unnötige Zusatzstoffe, macht vor Medikamenten keinen Halt. Ebenfalls per App können Verwender außerdem die Inhaltsstoffe von über 70.000 Präparaten einsehen und mithilfe vorgefertigter Profile ebenjene auswählen, die zu den eigenen Bedürfnissen und der eigenen Lebenseinstellung passen.
  • Die Spitze der Individualisierung könnte schließlich mithilfe des 3D-Drucks erreicht werden. Nachdem bereits 2015 die erste Pille aus dem 3D-Drucker zugelassen wurde, könnte womöglich eines Tages ein jeder ganz bequem zu Hause haargenau die Tablette ausdrucken, die er braucht.

Eines ist jedenfalls sicher: im „New Normal“ wird es auch eine „New Health“ geben und das nicht bloß wegen einer globalen Pandemie. Im Fokus dabei stehen der Mensch und die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen. Diese Entwicklung verdanken wir uns selbst und den Ruhm dafür sollten wir uns von keinem viralen Parasiten stehlen lassen.

Von Niklas Rügge (Junior Research Specialist) aus dem Trendforschungsteam