Aktuelles Meinungsbild zu Clubhouse von Dirk Frank

Liebe Kollegen, Freunde und Geschäftspartner da draußen. Es ist sicher gut gemeint, aber vielen Dank, ich bleibe draußen. Ich gebe zu, dass mich vor zwei, drei Wochen kurz FOMO gepackt hatte, die vielzitierte Angst etwas zu versäumen. Ein wenig wichtig und bedeutend fühlt man sich trotz leichter Anflüge von Corona-Fatigue ja immer noch und dann bekommt man doch tatsächlich keinen Zugang zu diesem “Laden”! Gott, was hätte mich das als junger Spund aufgeregt. Ein angesagter Club in Frankfurt, der Türsteher fixiert dich von unten nach oben und zurück, stellt die Diagnose „Landkind“ und nix wird es mit dem heißen Dancefloor-Abend! Gut möglich, dass auch hier die fear-of-missing-out einer der treibenden Kräfte bei mir war, die Zelte für ein paar Jahre in Frankfurt aufzuschlagen. Nur um später einmal locker grinsend an der „Line“ vorbeigockeln zu können.

Aber bevor Sie jetzt hoffen, dass ich hier eine öffentliche Psychoanalyse betreibe, zurück zum eigentlichen Thema: Sie kamen dann doch, die Clubhouse-Invites. War aber dann mittlerweile so, als habe man sich vor Wochen etwas bei seinen Lieben zu Weihnachten gewünscht und zwischenzeitlich beschlossen, dass das Objekt der Begierde doch so keine dolle Idee war. Es geht so einfach nicht. Als Marktforscher stehen wir in der Frontlinie, wenn es um die bestmögliche Umsetzung der DSGVO zum Schutz der Privatsphäre unserer Befragten geht. Ich lebe in einem Land, in dem sich heftig um den bestmöglichen Datenschutz bei der Programmierung der Corona-App gestritten wurde und die gleichen Leute, die am Stammtisch schwadroniert haben, dass sie sich diese App nicht installieren, weil sie kein Teil von „Big-Brother-is-watching-you“ werden wollen, tummeln sich jetzt auf Clubhouse nachdem sämtliche Kontakte ihres Smartphones ausgelesen in den USA landen? Zumindest auf meinem Handy tummeln sich private und geschäftliche Kontakte in trauter Eintracht in der Adress-Datenbank, auch ich würde die Notfallnummer des ADAC zu den Schattenprofilen von Clubhouse beisteuern (ein echter Schenkelklopfer im Übrigen), aber auch eben jede Menge berufliche Kontakte.

Die ersten Verbraucherschutzzentralen haben schon abgemahnt, ob es die da drüben jenseits des großen Teichs juckt sei zunächst dahingestellt. Europa erweist sich als zahnloser Tiger, auch wenn es um die adäquate Besteuerung des Silicon Valley hierzulande geht und das Unternehmen hinter Clubhouse wird aktuell auf über 800 Millionen Dollar taxiert, nach lediglich 100 Millionen Dollar noch vor wenigen Monate. Es scheint also, als würde wieder einmal der „Markt entscheiden“. Und ja, selbst wenn man bei der Anmeldung die Weitergabe der Kontakte blocken kann, ich möchte nicht eine solche Maschinerie befeuern, die sich noch nicht mal um Basics wie deutschsprachige Geschäftsbedingungen kümmert. Und ob man live dabei sein muss, wenn sich gestandene Ministerpräsidenten zum Vollhorst machen, sei jenseits des Amüsements, auch mal dahingestellt.

Also, macht Eure Hausaufgaben bei Clubhouse, die Idee hat Potential und dann ladet mich doch einfach später noch mal ein.

Von Dirk Frank